Lexikon Börse
AD- HOC- Publizität Börsennotierte
Aktiengesellschaften sind verpflichtet, alle Tatsachen, die den Kurs
erheblich beeinflussen können, unverzüglich der Öffentlichkeit
mitzuteilen. Zu den relevanten News zählen unter anderem
Quartalsergebnisse oder Übernahmen. Verstöße gegen die Ad-hoc-Publizität,
insbesondere Insider-Informationen, ahndet das Bundesaufsichtsamt für den
Wertpapierhandel. Unter www.exchange.de können Anleger Ad-hoc-Mitteilungen
aktuell im Internet abfragen.
Aktiensplit Ist
der Kurs eines Unternehmens stark gestiegen, schreckt das Kleinanleger
häufig von Käufen ab. Die Gesellschaft splittet dann ihre Aktien, das
heißt, sie teilt eine Aktie in mehrere Anteile auf. Ein Split im
Verhältnis zehn zu eins bedeutet, dass ein Anleger statt einer Aktie zehn
Anteile besitzt. Rein rechnerisch müsste sich der Kurs zehnteln. Er legt
aber kurz vor oder nach dem Split oft weiter zu, weil die Aktie optisch
billiger erscheint und nun häufiger gekauft wird.
Aktives
Trading Beim Aktiven Trading bedient man sich des
Aktienleerverkaufs (=Short-Geschäft). Ohne Geldtransaktionen werden
hierbei Aktien gekauft und wieder verkauft, in dem Wertpapierbanken an die
Gesellschaft, die für den Anleger die Portfolioverwaltung übernommen hat,
Aktien ausleiht, die dann im wahrsten Sinne früher oder später wieder
zurückgegeben werden. Dieser Vorgang stellt nicht mehr als einen
kostenlosen elektronischen Buchungsvorgang im entsprechenden Anlegerkonto
dar.
 
Bestens/Billigst Erteilt ein Anleger
seiner Bank einen Wertpapierauftrag, wird er in der Regel nach dem Preis
gefragt, zu dem er die Aktien ordern will. Gibt er als Preisangabe "
billigst" an, heißt das, er kauft die Papiere zu jedem Preis. Der Zusatz "
bestens" bedeutet umgekehrt, er will die Aktien um jeden Preis
losschlagen. Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, empfiehlt es
sich, bei Aktien mit geringen Börsenumsätzen die Aufträge immer mit einem
konkreten Kurslimit (z.B. 50 Euro) zu versehen.
 
Call Ein Call ist die englische
Bezeichnung für eine Wette auf steigende Kurse. Dabei erwirbt der
Spekulant über seine Bank einen Optionsschein, der ihn berechtigt, eine
bestimmte Zahl von Aktien innerhalb eines bestimmten Zeitraums und zu
einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Notiert die Aktie am Ende der
Laufzeit des Optionsscheins unter dem vereinbarten Preis, verfällt der
Schein wertlos. Trick: Steigt die Aktie hingegen, kann der Anleger seinen
Wetteinsatz leicht verdoppeln oder verdreifachen. Das Recht, eine, zehn
oder gar 100 Aktien zu einem dann vergleichsweise günstigen Preis zu
beziehen, wird daher immer wertvoller.
Cash
Flow
Amerikanisch für "Fluss an
Barem", im übertragenen Sinn für "Kassenbestand".
Einnahmen-Überschuss-Kennzahl zur Beurteilung des
Selbstfinanzierungsvermögens eines Unternehmens. Der Cash Flow ist die
Summe aus Jahresgewinn, Abschreibungen und der Aufstockung der
Rücklagen.
Tipp: Wie alle Bilanzkennzahlen ist der Cash
Flow allein nur bedingt aussagekräftig und muss in Verbindung mit weiteren
Kennzahlen betrachtet werden.
Chartisten Chartisten
leiten ihre Kursprognosen für eine Aktie nicht aus den fundamentalen Daten
eines Unternehmens ab, sondern verlassen sich allein auf den
Kurvenverlauf. Sie unterstellen, daß sich das Gros der Börsianer in
ähnlichen Situationen immer wieder gleich verhält, also etwa in
Euphoriephasen kauft bzw. in Panik verkauft. Diese Verhaltensmuster kommen
im Kursverlauf der Aktie zum Ausdruck. Wer die typischen Formationen
richtig deutet, kann in vielen Fällen verläßliche Trendprognosen daraus
ableiten.
 
Churning Dies ist das
häufige Umschichten und die damit einhergehenden hohen Transaktionskosten
zu Lasten des Anlegers.
Cost-Averaging
Englisch für
"Durchschnittskostenmethode" oder "Durchschnittspreisverfahren". Eine
Anlagemethode, bei der der Anleger regelmäßig einen gleichbleibenden
Betrag investiert. Durch ein solches Vorgehen sichert sich der Anleger auf
längere Frist einen günstigeren mittleren Durchschnittspreis (Cost
Average) pro Anteil, da er die Fondsanteile sowohl bei steigenden als auch
bei fallenden Kursen erwirbt. Der gleichbleibende Betrag bewirkt
zwangsläufig, dass von teureren Anteilen (bei hohen Kursen) eine kleinere,
von billigeren Anteilen (bei niedrigen Kursen) eine größere Anzahl gekauft
wird.
Tipp: Investieren Sie bei
Investmentanlagen (auch bei fondsgebundenen Lebens- und
Rentenversicherungen) einen regelmäßigen Betrag, um den
Cost-Average-Effekt zu nutzen.
 
DAX Der Deutsche Aktienindex DAX
errechnet sich aus den Aktien der 30 führenden deutschen Unternehmen. Er
gilt als Stimmungsbarometer für die deutsche Börse. Bei der
Zusammenstellung ihrer Depots orientieren sich viele Fondsmanager an der
Gewichtung im DAX. Die Bedeutung der einzelnen Aktien im DAX hängt vom
Marktwert an der Börse (Marktkapitalisierung) ab. Je höher der Börsenwert,
desto größer das Gewicht im Index.
DVFA-
Formel Analysten interessieren sich bei Kursprognosen weniger
für die gegenwärtigen als für die zukünftigen Erträge eines Unternehmens.
Sie bilden sich ein Urteil über die potentiellen Umsätze, schätzen die
damit verbundenen Kosten und ermitteln nach der DVFA-Formel den Gewinn je
Aktie. Die Formel wurde von der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse
und Anlageberatung (DVFA) entwickelt und bereinigt den Jahresüberschuss
eines Unternehmens um untypische Aufwendungen und Erträge.
 
Emerging
Markets Unter dem Oberbegriff "Emerging Markets" werden etwa
40 Länder in Europa, Südostasien und Lateinamerika zusammengefasst, die
sich an der Schwelle vom Entwicklungs- zum Industrieland befinden. Wegen
der meist wenig stabilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse
schwanken die Aktienkurse an den Börsen der Emerging Markets
vergleichsweise stark. Risikobereite Anleger können mit
Emerging-Markets-Fonds von diesen Schwankungen profitieren. Ebenfalls
interessant: Euro- Auslandsanleihen aus Emerging Markets. Sie zahlen bei
begrenztem Risiko relativ hohe Zinsen. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden
bisher alle Staatsanleihen pünktlich bedient.
Emission Neuemissionen zählen zu den
begehrtesten Spekulationsobjekten an der Deutschen Börse. Eine Gruppe von
Banken, das sogenannte Konsortium, verkauft Aktien eines Unternehmens, das
neu an die Börse kommt. Die Anleger können die Aktien bei ihrer Bank
bestellen. Nach der Börseneinführung steigt häufig der Kurs, Erstanleger
buchen Gewinne. Wegen der großen Nachfrage werden Neuemissionen nicht
selten per Los zugeteilt.
 
Finanzportfolioverwaltung
Die
Finanzportfolioverwaltung ist die Verwaltung einzelner in
Finanzinstrumenten angelegter Vermögen für einen anderen. Dem Verwalter
ist ein Entscheidungsspielraum bei den Anlageentscheidungen
eingeräumt.
Freiverkehr Die deutsche Börse
unterteilt sich in drei Handelssegmente: den Amtlichen Handel, den
Geregelten Markt und den Freiverkehr. In den Amtlichen Handel werden nur
etablierte Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung aufgenommen. Im
Geregelten Markt notieren unter anderem die jungen Wachstumsfirmen des
Neuen Markts. Ein Unternehmen, das z.B. wegen eines zu geringen Kapitals
die Zulassungskriterien für den Amtlichen oder Geregelten Handel nicht
erfüllt oder bereits an einer ausländischen Börse notiert, kann die Notiz
im Freiverkehr beantragen.
Fonds Ein Anleger,
der an den Kursgewinnen der Börse partizipieren will, selbst aber nicht
über die Zeit oder das Wissen verfügt, die Favoriten herauszupicken, setzt
auf Fonds. Die Fondsmanager sammeln das Kapital vieler tausend Anleger und
investieren das Geld in Aktien, Immobilien oder Anleihen. Durch geschickte
Streuung minimieren sie das Risiko und erwirtschaften im Optimalfall einen
stetigen Wertzuwachs. Aktuell werden mehr als 2000 verschiedene Fonds an
der Börse notiert. Ihr Preis richtet sich nach dem Inventarwert der im
Fonds enthaltenen Aktien. Hinzu kommt ein Aufschlag von in der Regel drei
bis fünf Prozent. Es empfiehlt sich, sein Geld nur solchen Fondsmanagern
anzuvertrauen, die sich bereits in der Vergangenheit durch hohe
Wertzuwächse auszeichneten.
 
Geld/Brief Mit
diesen Kurszusätzen verständigen sich die Akteure an der Frankfurter
Börse, ob sie zu einem bestimmten Kurs kaufen oder verkaufen wollen. 30
Geld bedeutet, dass ein Händler zum Kurs von 30 eine Aktie kaufen möchte.
30 Brief steht für eine Verkaufsofferte zum Kurs von
30.
Graumarkt Der Börsengang eines Unternehmens
läuft in der Regel in zwei Schritten ab: Zunächst bieten die Banken ihren
Kunden während der Zeichnungsfrist die Aktien außerbörslich zum Kauf an.
Der Kunde zahlt dafür den vorher festgelegten Ausgabepreis. Kurze Zeit
später erfolgt die Erstnotiz an der Börse. Wer befürchtet, aufgrund der
hohen Nachfrage beim vorbörslichen Verkauf der Aktien nicht zum Zuge zu
kommen, kann die Papiere auch während der Zeichnungsfrist über seine Bank
im Graumarkt ordern. Allerdings ist nicht jede Bank sofort dazu bereit,
der Kunde muss darauf bestehen. Der Frankfurter Börsenmakler Schnigge
(www.schnigge.com) stellt bereits vor dem offiziellen Börsenstart Kurse,
die sich ausschließlich nach Angebot und Nachfrage richten. Ist das
Interesse an einer Aktie hoch, notiert sie im Graumarkt häufig weit über
ihrem Ausgabepreis.
 
Hebel Ein Anleger,
dem das Gewinnpotential einer Aktie nicht reicht, kann mit Aktien-
Optionsscheinen auf steigende Kurse spekulieren. Diese Optionsscheine
weisen einen Hebel auf, das heißt einen Faktor, um den der Optionsschein
stärker steigt oder fällt als die zugrundeliegende Aktie. Ein Beispiel:
Ein Optionsschein, der einen Euro kostet, berechtigt zum Bezug einer Aktie
zu 30 Euro. Der aktuelle Börsenkurs der Aktie liegt ebenfalls bei 30 Euro.
Steigt die Aktie auf 40 Euro, beträgt der Wert des Optionsscheins 10 Euro,
schließlich berechtigt er ja zum Bezug der Aktie zum ermäßigten Preis von
30 Euro. (30 Euro plus 10 Euro = 40 Euro). Während die Aktie um 33 Prozent
gestiegen ist, hat sich der Preis des Optionsscheins verzehnfacht. Er hat
damit 30mal mehr gewonnen als die Aktie. Ein Hebel von 30.
 
Insider Unter
diesem Begriff versteht der Gesetzgeber Personen, die Informationen über
kursrelevante Unternehmensnachrichten besitzen, bevor sie durch eine
Ad-hoc- Mitteilung der breiten Öffentlichkeit bekannt werden. Dazu zählen
die Vorstände des Unternehmens, der Aufsichtsrat, aber auch Mitarbeiter
aus den Führungsetagen oder Journalisten, die durch eine Recherche eine
Neuigkeit herausgefunden haben. Das Wertpapierhandelsgesetz verbietet es,
solche Informationen durch den Kauf oder Verkauf von Aktien zum eigenen
Vorteil auszunutzen.
 
J ...
Kurs/Gewinn- Verhältnis Eine Aktie ist nicht
deswegen teuer, weil sie statt 50 Euro 100 Euro kostet. Profis messen die
Bewertung am Gewinn. Sie teilen den Kurs einer Aktie durch den erwarteten
Gewinn je Aktie und erhalten so das Kurs/Gewinn- Verhältnis (KGV). Je
höher das KGV, desto teurer sind die Aktien, weil das Unternehmen dann an
der Börse zum Beispiel mit dem 40fachen statt dem 20fachen Jahresgewinn
bezahlt wird. Unternehmen mit einem hohen Gewinnwachstum weisen in der
Regel ein höheres KGV auf als Gesellschaften mit nahezu konstanten
Erträgen.
Kurszusätze Ein Aktionär, der in der
Tageszeitung den Kurs seines Unternehmens nachschlägt, findet hinter dem
Euro-Betrag häufig noch einen Kurszusatz. Dieser erläutert das Verhältnis
von Angebot und Nachfrage bei der Kursbildung. Die wichtigsten Kurszusätze
und ihre Bedeutung:
B = Brief Zu diesem aufgeführten Kurs wurden
Papiere zum Verkauf angeboten, es lagen aber keine Kauforders
vor.
G = Geld Zu dem entsprechenden Kurs wollen zwar einige
Anleger kaufen, aber niemand will verkaufen.
bB Nur ein Teil
der Verkaufsorders wurde ausgeführt: Das Angebot überstieg die
Nachfrage.
bG Nicht alle Kaufaufträge konnten erfüllt werden: Es
gab zu viele Kaufinteressenten.
T = Taxe Der Kurs wurde
lediglich geschätzt, da keine Umsätze zustande kamen.
 
Länderfonds Dies sind Aktienfonds,
deren Prospekt eine Konzentration auf ein Land vorschreibt. In exotischen
Märkten, wo es schwer fällt, eigene Recherchen anzustellen, sind derartige
Fonds für Privatanleger
sinnvoll.
Leerverkäufe Banken und
Fondsgesellschaften können an der Börse Aktien leerverkaufen, das heißt,
sie veräußern die Papiere, ohne sie zu diesem Zeitpunkt auch tatsächlich
zu besitzen. Ein Beispiel: Die Bank A spekuliert auf fallenden Kurs beim
Unternehmen B. Dann kann sie die Aktie um neun Uhr morgens leerverkaufen,
warten, bis der Kurs sinkt, und sich um 16 Uhr mit den Papieren eindecken.
Der Kontrahent, der morgens um neun Uhr die Aktien von der betreffenden
Bank gekauft hat, merkt von alledem nichts. Seinem Depot werden die
Papiere gemäß den deutschen Börsenabwicklungsusancen ohnehin erst nach
drei Tagen gutgeschrieben.
Limit-
Order Erteilt ein Anleger seiner Bank eine Limit-Order, so
heißt das, sein Wertpapierauftrag soll nicht über bzw. unter einem
bestimmten Kurs ausgeführt werden. Ein Verkaufsauftrag mit Limit 30
bedeutet, dass die Aktie zu mindestens 30 Euro verkauft werden soll.
Umgekehrt darf eine Aktie bei einem zu 30 limitierten Kaufauftrag maximal
30 Euro kosten.
 
MDAX Der MDAX
repräsentiert hinter dem DAX die "Zweite Bundesliga" an der Börse und
beinhaltet die Aktien von 70 mittelgroßen deutschen Gesellschaften.
Ähnlich wie im DAX bemißt sich auch im MDAX das Gewicht eines Unternehmens
nach seinem Börsenwert. Die Index-Zusammensetzung wird zweimal jährlich
von der Deutschen Börse AG aktualisiert.
 
N...
Optionsanleihe Ein Unternehmen, das für
eine Investition frisches Kapital benötigt, kann sich dieses Geld über
eine Optionsanleihe günstig beschaffen. Die Gesellschaft leiht sich
Kapital zu einem Zinssatz, der unter aktuellem Marktniveau liegt. Im
Gegenzug räumt sie den Käufern ihrer Anleihe das Recht ein, eine bestimmte
Anzahl von Aktien an einem festgelegten Termin in der Zukunft günstig zu
beziehen.
OTC- Market Wertpapiere, die in den
USA etwa wegen ihrer zu geringen Börsenkapitalisierung nicht zum
offiziellen Handel zugelassen sind, notieren am OTC-Market. Anleger können
die Papiere am Graumarkt "Over the counter" (OTC) ordern.
 
Performance Der
Begriff symbolisiert an der Börse den prozentualen Gewinn/Verlust einer
Aktie oder eines Aktienfonds. Dabei werden sowohl die Kurssteigerungen als
auch die Dividenden und Ausschüttungen
berücksichtigt.
Plusankündigung Besteht nach
einer Aktie derart viel Nachfrage, dass der nächste Kurs mehr als fünf
Prozent über dem letzten Kurs liegt, muss der Börsenmakler dies durch ein
Pluszeichen auf der Börsentafel ankündigen. Das Zeichen Doppelplus weist
auf einen Kurssprung von mehr als zehn Prozent
hin.
Präsenzbörse Die Frankfurter Börse wird
auch als die deutsche Präsenzbörse bezeichnet, weil die Käufe und Verkäufe
zu einem Teil durch Zuruf zwischen den persönlich anwesenden Händlern und
Kursmaklern auf dem Börsenparkett zustande kommen. Börsianer in London und
Tokio hingegen handeln über den Computer, die Aktien wechseln via
Mausklick den Besitzer. Auch in Deutschland löst das elektronische
Handelssystem Xetra die Präsenzbörse allmählich ab.
 
Qualifizierte
Mehrheit Will eine Aktiengesellschaft die Satzung ändern oder
das Kapital erhöhen, so benötigt sie dazu eine qualifizierte Mehrheit.
Mindestens 75 Prozent der auf der Hauptversammlung anwesenden Aktionäre
müssen dem Vorschlag des Vorstands zustimmen.
 
Rückkauf eigener
Aktien Seit Mai 1998 tritt an der deutschen Börse eine
vollkommen neue Klientel als Käufer auf: die Konzerne. Das Gesetz zur
Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich erlaubt es deutschen
Aktiengesellschaften, bis zu zehn Prozent ihrer eigenen Anteile
zurückzukaufen. Der Grund für das Interesse der Unternehmen an den eigenen
Papieren ist einleuchtend: Sie haben zu viel Geld auf der Bank. Während
das Vermögen auf der Bank nur minimale Zinsen bringt, erwirtschaften
beispielsweise die Chemieriesen in ihrem traditionellen Geschäft eine
Rendite von deutlich mehr als zehn Prozent. Die mageren Bankzinsen drücken
somit die Gesamtrendite der Konzerne. Bereits die Ankündigung, eigene
Aktien zurückzukaufen, treibt in der Regel den Börsenkurs. Die Aktion
lohnt sich sowohl für das Unternehmen als auch für seine
Aktionäre.
 
Shareholder
Value Zu deutsch "mehr Wert für Aktionäre" heißt das
Schlagwort der Amerikaner für Unternehmen mit besonders
aktionärsfreundlicher Politik. Die Firmen richten ihre Geschäftspolitik
vor allem an den Interessen ihrer Aktionäre (shareholder) aus und
konzentrieren sich darauf, den Wert (value) der Firma nachhaltig zu
steigern. Kennzeichen solcher Gesellschaften sind beispielsweise eine
leistungsabhängige Vergütung der Manager, die Konzentration der
Unternehmensaktivitäten auf den ertragreichen Kern, Verkauf wenig
rentabler Töchter und nicht zuletzt eine offene
Informationspolitik.
 
Technische
Korrektur Steigt eine Aktie mehrere Tage lang ununterbrochen
an und fällt dann leicht zurück, so bezeichnen Börsianer das als
technische Korrektur. Der Aufwärtstrend ist damit nicht gebrochen, es
kommt lediglich zu kurzfristigen Gewinnmitnahmen.
 
Umtauschangebot Plant ein Unternehmen
die Übernahme einer anderen Gesellschaft, unterbreitet sie den Aktionären
häufig ein Umtauschangebot. Die Aktionäre können die Aktien ihres alten
Unternehmens in Anteile der übernehmenden Gesellschaft wandeln. In vielen
Fällen sind derartige Umtauschangebote für den Anleger lukrativ. Der
Grund: Die übernehmende Gesellschaft muss den Aktionären einen Anreiz
bieten, ihre Offerte anzunehmen. Der Gegenwert ihres Angebots liegt oft
zehn bis zwanzig Prozent über dem aktuellen Aktienpreis. Es kommt jedoch
auch vor, dass Betrügerfirmen weniger als den aktuellen Kurs bieten und
die Anleger über den Tisch ziehen.
 
Volumen Der
Begriff "Volumen" gibt die Anzahl der gehandelten Aktien während eines
Börsentags an. Bei Aktien mit einem niedrigen Umsatzvolumen empfiehlt es
sich, Wertpapieraufträge bei der Bank mit Limit aufzugeben. Andernfalls
kann schon eine kleine Kauforder große Kurssprünge bewirken.
 
Wandelanleihe Eine Wandelanleihe räumt
dem Anleger das Recht ein, sie zu einem vorher bestimmten Zeitpunkt in
Aktien eines bestimmten Unternehmens umzutauschen. Fällt der Aktienkurs,
kann der Investor auf sein Recht verzichten. Er erhält dann weiterhin
Zinsen und kann sich die Anleihe am Laufzeitende zu 100 Prozent
zurückzahlen lassen.
Wertpapier-Kenn-Nummer Mit
der Wertpapier-Kenn-Nummer (WKN) lassen sich jede Aktie, jede Anleihe,
jeder Optionsschein und jeder Fonds identifizieren. So sind bei den Orders
Verwechslungen ausgeschlossen.
 
Xetra Der Aktienhandel per Zuruf auf
der Parkettbörse wird auch in Deutschland zunehmend durch den Computer
abgelöst. Die Mehrzahl der Wertpapieraufträge für DAX-, MDAX- und
Neuer-Markt-Werte läuft inzwischen über das elektronische Handelssystem
Xetra.
 
Y...
Zeichnung Ehe eine Aktie zum Handel
zugelassen wird, verkaufen die Banken, die das Unternehmen an die Börse
begleiten, die Papiere, an ihre Kunden. Der Anleger kann die Aktien
zeichnen, das heißt, er bestellt sie bei seiner Bank zum vorgegebenen
Emissionspreis. Dieser Preis bewegt sich in der Regel innerhalb einer
bestimmten Bandbreite – der
Zeichnungsspanne.
Zwischengewinn Verkauf der
Investor einen Investmentfonds, so muss er den anfallenden Zwischengewinn
versteuern. Darin sind sämtliche Zinszahlungen enthalten, die dem Fonds
seit der letzten Ausschüttung zugeflossen sind. Die Bank behält 30 Prozent
Zinsabschlagsteuer ein. Hinterlegt der Kunde einen Freistellungsauftrag,
verzichtet sie auf den Steuerabzug.
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